1. Mache dich mit deiner Ausrüstung vertraut
Wer klettert, geht immer ein Risiko ein. Nur bei guter Kenntnis der
benutzten Ausrüstung und ihrer richtigen Anwendung kann das Risiko
minimiert werden.
Bedienungsanleitungen alleine helfen dabei nicht weiter. Lasst euch
den Umgang mit diesem Material zeigen und übt es regelmäßig in
ungefährlichen Situationen.
2. Klettere nie alleine
Auch ein minimales Risiko ist immer noch ein Risiko.
Verantwortungsvolle Kletterer werden niemals ungesichert klettern,
sondern die Sicherung einem Partner überlassen.
Außerdem kann beim Auftreten eines Notfalls ein Partner auch dann
noch Hilfe holen, wenn man selber nicht mehr dazu in der Lage ist. Es
ist sicherlich nicht von Nachteil, sich vorher zu überlegen, wie man
Einsätzkräfte zur Kletterstelle leiten kann.
3. Plane dein Vorhaben
Plane genau was du vor hast:
- Habe ich das benötigte Material?
- Habe ich die nötige Kenntnis?
- Bin ich den Aufgaben gewachsen (körperlich und mental)?
Besprich die Planung mit deinem Kletterpartner!
4. Klettere nur gesichert
Klettere niemals ungesichert. Die Sicherung über ein Dynamikseil ist
für das gewerbliche Klettern zwingend vorgeschrieben. Geocacher sollten
sich nicht mit weniger zufrieden geben.
Das Sicherungsseil soll mit einem gesteckten Achterknoten durch die
Schlaufen an Beckengurt und Beinschlaufen befestigt werden. Das
Anbinden an die Anseilschlaufe bringt zwar weniger Redundanz, gilt aber
dennoch als sicher.
Wenn Karabiner zum Verbinden des Sicherungsseils mit dem Sitzgurt
verwendet werden sollen, dann müssen immer zwei Karabiner gegengleich
verwendet werden (einer mit der Öffnung nach links, der andere mit der
Öffnung nach rechts).
5. Kein freies Seilende
Niemals können alle Szenarios im Vorfeld geplant sein. Es kann immer
zu Unvorhergesehenem kommen, das dich zum Umplanen zwingt. Eine sehr
häufige Unfallursache bei allen Kletterdisziplinen ist das
Durchrutschen des Seils durch ein Sicherungs- oder Abseilgerät. Das
kann mit einem Achterknoten am Seilende zuverlässig vermieden werden.
6. Schütze deinen Kopf
„Alles Gute kommt von oben“, sagt der Volksmund. Schön wär’s. Auch
wenn wir nicht mit Steinschlag rechnen müssen, ist ein Helm ein Muss.
Spätestens bei einem unkontrollierten Sturz kann der Helm oft böse
Verletzungen verhindern.
Sogar eine leichte Kopfplatzwunde mit ihrer einhergehenden starken
Blutung kann uns in Probleme bringen. Wenn das Blut erst mal ins Auge
gelaufen ist, wird die Kletterpartie schnell zum Blindflug.
7. Partnercheck
Lasse dich von Deinem Partner kontrollieren und kontrolliere du ihn:
- Gurt rückgefädelt?
- Anseilknoten richtig geknüpft?
- Karabiner korrekt geschlossen und zugeschraubt?
- Sicherungsgerät richtig eingelegt?
- Kein freies Seilende?
8. Lass dir Zeit
Klettern unter Zeitdruck sollte man Menschen überlassen, die
speziell dafür ausgebildet wurden (z.B. Höhenrettern). Wir lassen uns
Zeit, um alles was wir tun zu durchdenken und zwei Mal zu
kontrollieren. Das hilft uns, unsere Euphorie zu bremsen (die Dose ist
doch schon so nah) und unsere Pläne zu überdenken.
Inzwischen ist der ‘Blackout’ eine anerkannte Unfallursache beim
Klettern. Es gibt tatsächlich Unfälle, bei denen sich der Kletternde in
großer Höhe einfach ausgeklinkt hat, weil er „nicht bei der Sache war“.
9. Volle Aufmerksamkeit beim Sichern
Das Leben deines Partners liegt in deinen Händen!
Nichts und niemand darf uns davon ablenken, unseren Aufgaben als
Sichernder gerecht zu werden. Die meisten Nachlässigkeiten mögen
vielleicht folgenlos bleiben oder sogar noch nicht mal bemerkt werden.
Im Falle eines Sturzes des Kletternden werden sie aber in der Regel zu
Verletzungen führen oder noch schlimmere Folgen haben.
Übrigens kann Unachtsamkeit beim Sichern nicht nur dafür sorgen,
dass ein Fehler des Kletternden Folgen hat. Auch der Sichernde kann
einen Unfall erst auslösen, z.B. durch zu straffes Seil oder Stolpern.
10. Lass deinen Partner wissen, was los ist
Nur wenn beide Partner miteinander kommunizieren, kann Sicherheit
hergestellt werden. Ein „Achtung“ hilft dem Sichernden, auf einen
möglichen Sturz gefasst zu sein. Mit „Ein“ wird der Sichernde
angewiesen, Seil einzuholen, d.h. er soll das Seil zum Kletternden
straffen. Mit „Aus“ fordert der Kletternde mehr Seil an, z.B. um im
Vorstieg weiter zu kommen.
Auch andere kletterrelevante Beobachtungen müssen dem Partner
mitgeteilt werden. Hat sich etwas an den Voraussetzungen geändert?
Stimmt etwas mit der Seilführung nicht? Ändert sich das Wetter?
11. Achte auf den richtigen Seilverlauf
Der richtige Seilverlauf hilft dabei, mögliche Sturzfolgen zu
senken. Im Vorstieg ist das Seil so zu führen, dass der Kletternde sich
nicht (mit den Beinen) im Seil verfangen kann. Außerdem darf das Seil
nicht scheuern, über scharfe Kanten geführt sein oder unkontrolliert
umgelenkt werden (z.B. an einer Sprosse der Stabru hängen bleiben).
12. Niemals Seil auf Seil
Seile und Bandschlingen bestehen aus Kunstfasern (Polyamid) und
haben damit sehr gute Klettereigenschaften. Sie sind elastisch und sehr
reißfest. Aber sie sind auch sehr hitzeempfindlich. Beim Durchlaufen
lassen durch einen Karabiner oder durch ein ATC ist das deutlich zu
fühlen.
Keinesfalls darf Seil über Seil geführt werden. Wird ein Seil beim
Ablassen durch eine Bandschlinge geführt, wird die Schlinge schon nach
wenigen Metern durchgeschmolzen sein.
13. Überfordere dich nicht
Klettern kostet Kraft. Gerade als Gelegenheitskletterer hat man
davon keine unerschöpflichen Reserven. Plant also immer genug Reserven
ein, um sicher wieder nach unten (oder beim Hölenklettern auch nach
oben) zu kommen.
14. Vorsicht beim Abseilen
Abseilen ist zwar eine komplexe Tätigkeit, bei der es viel zu
beachten gibt, aber sie wird sehr schnell zur Routine. Gerade darin
liegt eine große Unfallgefahr; immerhin treten beim Abseilen Kräfte bis
zum Dreifachen des Körpergewichts auf.
- Ist mein Ankerpunkt stabil?
- Bin ich korrekt gesichert (Top-Rope und/oder Hintersicherung)?
- Ist mein Material in einwandfreiem Zustand?
15. Nicht übereinander klettern
Erst klettert der Eine, dann der Andere. Der untere setzt sich sonst
dem (unnötigen) Risiko aus, von herabfallenden Gegenständen (Steine,
Ausrüstung) oder gar einem stürzenden Kletterer getroffen zu werden.
16. Pflege deine Ausrüstung
Nach dem Klettern muss die Ausrüstung gepflegt und korrekt verstaut bzw. gelagert werden.
Das Material wird einer Sicht- und Fühlprüfung unterzogen. Im
Zweifelsfalle lieber etwas aussortieren (stört euch nicht an den
Preisen, im Zweifel werft mal einen Blick auf die letzte Tankquittung;
eure Sicherheit sollte euch schon etwas wert sein).
Zum Thema Pflege, Prüfung und Aufbewahrung sollten auf jeden Fall die Bedienungsanleitungen beachtet werden.